Bund deutscher Iringe e.V.

Konfliktgrenzen zwischen Macht und Moral

Kurzfassung des Vortrages gehalten am 8. Nov. 2008 in Kassel

Bei den Konfliktgrenzen haben wir es im allgemeinen mit sich diametral gegenüberstehenden, klar definierten Anschauungen oder Institutionen zu tun, bei denen ein einvernehmliches Miteinander (vorerst) nicht möglich erscheint (Arbeitnehmer : Arbeitgeber; Christentum : Islam).

Unter »Macht verstehen wir das Ausmaß, in dem ein Individuum dank seiner Position oder seinem Statusinnerhalb einer Gruppe die Fähigkeit oder Autorität besitzt, andere Individuen zu kontrollieren, ihnen bestimmte Verhaltensweisen vorzuschreiben und Gehorsam abzuverlangen; seinen Willen auch gegen Widerstände durchzusetzen«.

Macht und deren Besitz können wir getrost auch als Urgedanken und Urwunsch des Menschen festhalten.

Mit dem Leitsatz der Politik: »Wohlstand für alle« wird nach kurzfristigen materiellen »Wohltaten« gestrebt, um an der Macht zu bleiben. Dabei wird nicht an die »ökologischen« und »gesteigerten Anspruchs«-Folgen gedacht (der kleine Hävelmann in seinem Bettchen wollte immer mehr und immer weiter; das Schöne sollte nie zu Ende gehen). Das sind Kindheitsträume des Trieb- und Verstandesmenschen.

Wenn sich die Menschen aber von den ewigen und unwandelbaren Ideen lösen, und aus Ehrgeiz, Habgier, Machtgier, Herrschsucht, Bequemlichkeit und anderen Lüsten und Begierden tausende von Gesetzen und Regeln für ihr Leben schaffen, dann haben wir es mit Ideologien zu tun. Sie sind Konstruktionen des niederen, stoffgebundenen, klügelnden Verstandes, des Intellekts. Bei ihnen handelt es sich um wirtschaftliche, politische oder gesellschaftliche Versuche der Problemlösungen, die durch eigene Kurzsichtigkeit erst entstanden sind. Sie sind meist zeitbedingt. Ihren Niederschlag finden sie in Programmen und Systemen.

Ideologien stehen gegen die ewigen Gesetze der Schöpfung und zerstören die göttliche Ordnung in der Welt.

Ideologien wurden vertreten von: Marx, Engels, Lenin, Stalin, Hitler, Mao, Castro, Pol Pot. Allen gemeinsam ist der sozialistisch/ kommunistische Gedanke. Wie die Geschichte gezeigt hat, sind all diese Systeme gescheitert. – Auch das kapitalistische System mit der Ideologie: »Freie Soziale Marktwirtschaft«, in der die Gewinne privatisiert und die Verluste sozialisiert werden, ist im Begriff, zu zerfallen.

Überall erkennen wir die gleichen Probleme: Es gibt keine dem Gemeinwohl des Volkes, auch dem geistigen Wohl, verantwortlichen Volks-, oder Menschheitsführer sondern nur »mit Machtfülle ausgestattete Egoisten auf der materiellen Ebene«.

Hier einige Beispiele dazu aus Presseberichten des Jahres 2008:

  • Manager sehen Gesetzestreue als Nachteil. Gesetzestreue wird nur noch von der einfachen Bevölkerung verlangt, da sie keine Verschleierungsmöglichkeiten hat.
  • Manager gehen mit dicken Abfindungen nach Hause, nachdem sie die Unternehmen in die Krise geführt haben (Siemens und Nokia lassen grüßen).
  • Kartellstrafen füllen die Kassen der EU (weil Machtmissbrauch praktiziert wurde)
  • Kursmanipulationen bei WestLB
  • Selbstüberschätzung bei der IKB und der Real-Estate-Bank durch Kreditblasenübernahme.
  • Gestörtes Rechtsempfinden bei Siemens-Managern. Den Chefs droht in der Schmiergeldaffäre lediglich ein Bußgeld.
  • Überhaupt gehören die »Schwarzen Kassen«, um andere zu bestechen, zum inzwischen »normalen« Geschäftsgebaren der Unternehmen. Es gibt sogar ein Vorstands-Ressort dafür; es heißt da natürlich nicht Bestechungsgeld-Ressort, sondern »Aufwandsentschädigung für sales-promotion« zu deutsch »Verkaufsförderung«.
  • Allmachtsphantasien bei VW und Porsche oder Daimler. Ehemaliger VW-Betriebsratschef Bernd Sudholt zahlt wegen Verwicklung in Lustreisenaffäre Geldstrafe, Volkerts wird »auf Bewährung« verurteilt; schuldig sind sie alle. Aber das ficht heute kaum noch jemand an.
  • Der Klub der Gewerkschafts-Vorstände »Nie wieder arm sein« lässt grüßen: Vietor, Neue Heimat, Vorstände aus dem ehemaligen Konsum, aus gewerkschaftseigenen Banken und VW, die Herren Steinkühler, Zwickel, Volkerts empfangen mit stehenden Ovationen ihr neues Mitglied: Frank Bsirske.
  • Der Einsturz des amerikanischen Finanzkasinos ist ein Jahrhundertereignis. Er schwächt den Weltmarktstatus der USA, er stärkt das relative Gewicht Asiens und vor allem Chinas, und er konzentriert noch mehr Macht in noch weniger Händen. Zu den Gewinnern der Krise zählen die Großbanken JPMorgan und Bank of America und das von 2 Einwanderern aus Unterfranken gegründete Institut Goldman Sachs, dessen früherer Chef, Henry Paulson, zum mächtigsten Mann Amerikas avanciert.

Genug der Negativ-Beispiele

Wenn es hier überhaupt eine Moral gibt, dann die rein kapitalistische: Wie kann ich mich – meistens auf Kosten der Allgemeinheit – mit geringstem Aufwand so schnell wie möglich bereichern?! – Wer das nicht tut, gilt als dumm oder hinterwäldlerisch und nutzt seine Macht nicht.

Wissen ist Macht

Erheblich beigetragen zu materiellen Machtverhältnissen hat die Wissenschaft.

Die Verfechter der sogn. »Freien Marktwirtschaft« (die gar nicht frei ist, wie wir jetzt wieder einmal feststellen) wehren sich vehement gegen alle Versuche, dem Kapital Grenzen zu setzen. Diese Menschen ordnen die ganze Welt den Gesetzen des Marktes unter und verwandeln alle Werte in Waren.

Die Wissenschaft – wenn sie denn aus ideellen Motiven forscht – mag an dieser Entwicklung unschuldig sein, kommerzialisiert ist sie ein Meilenstein auf dem Wege zur materiellen Bereicherung und zur Förderung des egoistischen Machtgefüges.

Moral

Kommen wir zur Moral (lat. moralis), die Sitte betreffend. Brockhaus: Aus kultureller und religiöser Erfahrung gebildetes Regelsystem bestimmter Normen und Wertvorstellungen, die überindividuell als Maßstab des Verhaltens gegenüber dem Mitmenschen und zu sich selbst gelten.

Im normalen Alltagsleben wird Moral meist in Verbindung mit der Liebesbeziehung gesehen. Das ist sehr einseitig, wie die Finanzkrise beweist. Und sollte daraus eine Weltwirtschaftskrise werden, wird der Moralbegriff vermehrt die ihm zustehende Bedeutung als regulierender Gesetzestext in die gesamte Volkserziehung Eingang finden. Denn ohne Moral, Ethik oder Sitte findet der Raubtierkapitalismus seine Erhöhung, wir fallen zurück in die Steinzeitmentalität und damit ist die Menschheit dem Untergang geweiht.

Krisenmanagement im Sinne des Vernunftmenschen wäre hingegen:

  • In allen Menschen ideelle Wertvorstellungen über den eigentlichen Sinn des Lebens zu verfestigen (bei H.A. Weishaar sind dies die wichtigsten Gebiete: Religion, Rasse, Recht).
  • Die Familie mit Kindererziehung zu Hause durch die Eltern, speziell der Frau, in den Vordergrund. zu stellen.
  • Der Umweltschutzgedanke ist eine Lebensgrundlage und somit viel mehr zu berücksichtigen.
  • Abschaffung der industriellen Massenproduktion.
  • Beim handwerklich produzierenden Menschen (Heimwirtschaft, Landwirtschaft, etc.) das Wertbewusstsein seiner Arbeit (arbuot = Gesetz Gottes) verfestigen.
  • Energieproduktion und -verteilung ist Aufgabe des Staates.
  • Die Finanzwirtschaft – so sie denn überhaupt erforderlich ist – hat einzig und allein dem Kunden zu dienen und nicht zur Geldvermehrung beizutragen. Das ist gegebenenfalls Staatsaufgabe.
  • Sollzinsen von derzeit 18% auf 3% und die Habenzinsen von derzeit 6% auf 1,5% zu senken. Das sind volkswirtschaftlich vertretbare Sätze, ohne dass sie inflationär wirken.

    Zinseszinsen entfallen total.

Diese Fakten und sicherlich noch mehr schaffen Voraussetzungen für die gesunde Rückführung des Menschen auf den Weg zu Gott. – Damit können wir durchaus positiv in die Zukunft schauen. – Gottes Vollendungswille lässt sich vom Menschen nicht aufhalten. Wahrscheinlich befinden wir uns – wie W. Kirschner schreibt – »auf dem Weg von der Wohlfahrtsgesellschaft zur Verantwortungsgesellschaft«.

Allein mit dem Umsetzen der o.g. Punkte in das praktische Leben, sind wir und werden wir täglich mit den Konfliktgrenzen zwischen Macht und Moral konfrontiert werden – und – unsere liebe Not haben. Aber dazu sind wir auf dieser Erde angetreten.

Eckhard Brasseit