Bund deutscher Iringe e.V.

Zum ideellen Selbstverständnis der Bürgergesellschaft

Alle Dinge und Seinsweisen von Bedeutung haben eine Begründung in der Ideen­welt, die ihnen Wesen und Gestaltbarkeit vermitteln. Gerade Gemeinschaften be­stehen aus ihrem Ideengehalt und bilden davon abgeleitet Leitideen, die menschliches Leben in seinem Sinngehalt bestimmen. Nachdem die Metaerzäh­lungen von Sozialismus, Liberalismus, freiem industriellem Wachstum und Hedonis­mus ihre Sinnhaftigkeit an den Grenzen ökologischer Zwänge eingebüßt haben, besteht weitgehende Ratlosigkeit über menschliche Freiheiten, weiteren Fortschritt und sinnvolle Wirtschaftsweise. Eine Rückbesinnung auf grundsätzliche menschli­che Bestimmungen kann ein Steuerungspotential freisetzen, das ökologischen Be­dingungen und einem Fortschritt im Sinne von weitergehenden menschlichen Seinsweisen gerecht wird. Diese Vorüberlegungen sollen sich in der Wesensbe­schreibung jeder Erneuerungsbestrebung wiederfinden.

»BÜRGER«, Stellung und Bedeutung

Der Begriff Bürger (etymologisch von Burg) entstammt mittelalterlichem Sied­lungswesen, das, wegen der Unsicherheit für Leib und Leben, die Menschen sich schutzsuchend im Bereich der Burgen und Ritterschaft ansiedeln ließ. In den noch früheren, antiken Auffassungen war die Bürgerschaft der Personenstaatsverband, eine staatsbildende Gemeinschaft der sich selbst und andere Regierenden. So sind nicht der athenische Staat, sondern der Staat der Athener und nicht der römi­sche Staat, sondern der Senat und das Volk von Rom als Staatsgebilde in die Be­griffsgeschichte eingegangen.

Zur Verleihung und Anerkennung staatstragender Eigenschaften war die Person des Vorstandes eines alteuropäischen Oikos, eines »ganzen Hauses«, mit der Ge­samtheit menschlicher Beziehungen und Tätigkeiten, einschließlich Eltern und Kin­dern, Hausherrn und Gesinde, Haus- und Landwirtschaftsverwaltung die bestim­mende Voraussetzung. Der Vorstand des Oekonomieverbandes »Ganzes Haus« mußte als Leiter seiner Hauswirtschaft Verfügungsgewalt über die Sozialform der Familienangehörigen und des mitarbeitenden Gesindes haben und als Wirtschaftsleiter Produktion, Arbeitseinsatz und Konsumtion selbständig und unabhängig re­geln und bestimmen können. Der antike Staatsverband war auf Selbstregierung eingestellt, zu der wirtschaftliche Unabhängigkeit und Wehrfähigkeit gehörten. Die alteuropäische Ökonomik vom ganzen Haus war besonders im landwirtschaftlichen Sektor bestimmend bis ins 20.Jahrhundert hinein.

Im mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Städtewesen bezeichnete Bürgertum die privilegierten Bewohner einer Stadt, die Angehörigen einer Bevölkerungsschicht die weder adlig noch bäurisch waren, keinen eigenen Stand bildeten, sondern dem Bauernstand zugeordnet, Untertanen des Staates waren. Die Bürgerqualität hing vom Besitz von Grund und Haus ab, denn nur der konnte für jemanden bür­gen, der immobilen Besitz hatte und somit nicht heimlich mitsamt seinem Geldvermögen verschwinden konnte. Das städtische Bürgerrecht schloss die Wehr­fähigkeit ein, die zumindest durch die Stellung eines »Spießes« garantiert sein musste. Nur wer diese Verpflichtungen erfüllen konnte, erhielt die Vorrechte eines Bürgers.

Mit der Bildung des absolutistischen Territorialstaates wurden die Bürgerrechte ab­gebaut und der Unterschied zwischen Bürger und Einwohner beseitigt. Die Ursache ist letztlich in der Aufstellung besoldeter Heere und der Entwaffnung der Bürger­schaft zu suchen. Die Vereinheitlichung der Untertanen wurde noch weiter geför­dert durch die Personen- und Vermögenssteuer. Es bildete sich das Gegenüber von Souveränitätsangehörigen und Bürgern heraus, bis in den Revolutionen des 18. und 19.Jahrhunderts die Bürger die Souveränität selbst beanspruchten. Mit der in Frankreich im 18. Jahrhundert erfolgten Unterscheidung zwischen Citoyen (Bürger) und Bourgeois (kapitalistische Unternehmer, Produktionsmittelbesitzer und Groß­bürger) bildeten sich Klassen heraus zwischen Besitzenden von Produktionsmitteln mit kapitalistischer Produktionsweise (Mehrwertertrag) und einem Bürgertum, das vorwiegend die eigene Bedarfsdeckung zum Ziel ihres Wirtschaftens machte. Das entstehende Großbürgertum sah seinen Status in der Rolle staatsnaher und staatstragender Betätigung, in fortschrittsbetonter und streng kapitalistischer Wirt­schaftsweise. Das Kleinbürgertum, mehr der konservativen Denkrichtung und einer vorwiegend individualistischen Bildung zugetan, gründete seinen Status auf Besitz und Bildung. Dabei spielten der Besitz als Fundament familiären Zusammenhalts und Bildung als individuelle Entwicklung eine konstituierende Rolle.

In der sozialistischen Revolution des 20.Jahrhunderts verlor das Großbürgertum im Osten seine beherrschende Stellung vollständig und im Westen büßte es seine Vormachtstellung durch die Trennung von Kapitalbesitz und Management ein. Die persönliche Besitzgrundlage ging zunehmend über in Gesellschaftseigentum der sich immer mehr verflechtenden Großfirmen und der typische Familienbesitz löste sich nach zwei bis drei Generationen auf. Übrig blieb als neuer Mittelstand das Kleinbürgertum, das sich nun nicht mehr nur aus selbständigen Unternehmern, Handwerkern und Beamten zusammensetzte, sondern zunehmend auch aus ab­hängig Tätigen wie Beamten Angestellten und Arbeitern. Das wesentliche Kriterium für Mittelstand und Bürgertum ist heute die selbständig verwirklichte Lebenstüchtigkeit, die in selbstverantwortlicher Weise den Lebensunterhalt bestreitet, Nachkommenschaft aufzieht und in bürgerlich-tugendhaftem Sinn erzieht. Als bedrohlicher Irrweg des Bürgertums im Westen erweist sich der allzu freiheitlich orientierte Individualismus und Egoismus, der abhold jeder Art von Ge­meinschaft ist. Menschen mit solcher Auffassung wollen nur sich selbst bestätigen und geben durch ihren mangelnden Gemeinschaftssinn ihr eigenes Volk preis. Die individualistischen Kulturen des Westens befinden sich in einer Phase der Selbstzer­störung durch Nachkommenverweigerung, Selbstüberheblichkeit und eine hedo­nistische Lebenseinstellung.

Die Entartung des Individualismus beruht auf einer Fehleinschätzung der eigenen Person, die außer der augenscheinlichen Persönlichkeit, auf der geistigen Indivi­dualität des Menschen beruht die auch als Selbst, d.h. egozentrischer Bezugs­punkt aller Handlungen, in der Psychologie bezeichnet wird.

In der christlichen Tradition ist das die ewige Seele und wird als ein individueller Gott-Selbst-Gedanke verstanden. Das individuelle Selbst ist der Ausgangspunkt individueller Vernunft, die Grundlage der Menschenwürde, der Freiheit zur Selbst­bestimmung und die Voraussetzung der Menschenrechte, die in allen westlichen Verfassungen ihre gesetzliche Verankerung gefunden hat. Ein nach geistiger Vernunft geordnetes Leben macht empfänglich für ein geistiges Bewusstsein, das Verantwortlichkeit fühlt und sein Leben nicht in hedonistischer Flachheit sich erschöpfen lässt.

Der Begriff der Selbstverwirklichung stellt im Alltagsgebrauch eine Tendenz zur Durchsetzung der eigenen Vorstellungen und Wünsche dar. Durch sie wird Selbst­verwirklichung zum Individualismus, der im Gegensatz zur geistigen Bestimmung des höheren Selbst steht. Die geistige Individualität verlangt eine gewisse Selbsten­täußerung der natürlichen Person zum Wohle und Fortschritt der Geist- und Lebensgemeinschaften, die dem individuellen Leben einen weitergehenden Sinn verleihen und für die Kultivierung ihrer Angehörigen die entsprechende kulturelle Grundlage abgeben.

Nach christlicher Auffassung besteht eine befreiende Erlösung des Menschen in der Tat der Nächstenliebe. Die theologische Interpretation hat aus dem Nächsten eine Allerweltsperson gemacht, die, in Not geraten, jedermann zur Hilfeleistung verpflichtet. Diese Auffassung steht ganz im Gegensatz zur Wortbedeutung »Nächster«, denn zum Begriff »Nächster« muss es auch den Begriff »Fernster« geben, ohne den eine plausible Begriffsfassung nicht möglich ist. Demgemäß kann »Nächster« nur derjenige sein, der entweder in erbverwandter Beziehung steht oder als geistig Nächster in weltanschaulicher Hinsicht derselben Lebensphilosophie verbunden ist. Aus mitmenschlichem Grundverständnis ergeben sich Ver­pflichtungen gegenüber Gemeinschaften, die zum selben Kulturkreis gehörend, ein Anrecht auf unsere Teilnahme und unsere Sorge für ihre Fortexistenz haben.

Das heute noch gesunde und nicht individualistisch entartete Bürgertum benötigt für seine zukünftige Ausrichtung ein ideelles Menschenbild, das eine Grundorientie­rung für den gut-sein-wollenden und praktisch handelnden Menschen abgibt.

Die Evolution des Menschen; die durchaus nicht abgeschlossen ist, verlangt einen neuen Kulturimpuls, der einen wesentlich stärkeren Akzent auf verantwortliches Handeln, auch im Vergemeinschaftungssinn, legt, als es bei individualistischen Kul­turen möglich ist. Der allein und isoliert handelnde Mensch ist nicht in der Lage sein Leben, bei der heute herrschenden rationellen Arbeitsteilung und den vielschichti­gen Anforderungen, zu bewältigen. Er muss sich kooperativ verhalten oder er muss untergehen. Eine sinnvolle Kooperation, mit möglichst geringen Querelen, Missver­ständnissen und Neidausbrüchen, ist nur unter weitgehend ebenbürtigen und ebenwürdigen Menschen möglich. Sie zusammenzuführen und den für eine erfolg­reiche Entfaltung notwendigen Freiheitsraum zu garantieren verlangt eine einsich­tige Leitung. Dem einzelnen ist aufgetragen berufliche Tüchtigkeit, verantwortliche Handlungsbereitschaft und eine flexible Lebenshaltung beizusteuern. Für seine Per­son bedeutet das Aufrichtigkeit, Lernbereitschaft, gerechtes Denken und die Be­reitschaft zur geistigen Fortentwicklung.

Bürger sein heißt heute: ein selbstverantwortliches Leben führen, um in angemes­sener Freiheit und mit zweckvollem Eigentum die bisher gute und erfolgreiche Tra­dition in Familie, Volk und Staat fortzusetzen.

FREIHEIT in Verantwortung

Im Raume der Gesellschaft ist die individuelle Freiheit eingeschränkt auf Handlun­gen, die anderen nicht schaden. Man kann eine innere und eine äußere Freiheit unterscheiden. Erstere ist dann gegeben, wenn sich der Handelnde selbst zu dieser Handlung bestimmt und letztere bezeichnet die Freiheit ohne äußeren Zwang tun zu können, was man will. Spricht man im Fall der äußeren Freiheit von Handlungs­freiheit, so gilt für die innere Freiheit der Begriff der Entscheidungsfreiheit und betrifft die Freiheit verantwortlicher Selbstbestimmung.

Im Grundgesetz der BRD ist festgelegt, dass jedermann die Freiheit verantwortlicher Selbstbestimmung zuerkannt wird. Er kann nicht gegen seinen Willen von der selbstbestimmten Entfaltung seiner Persönlichkeit abgehalten werden. Wenn aber die Entfaltung der Persönlichkeit mit möglichen gesellschaftlichen Schädigungen verbunden ist wie das im Falle gentechnologischer Entwicklung, aber auch in an­deren naturwissenschaftlichen und sozialen Bereichen heute häufig der Fall ist, un­terliegt diese Freiheit ökologischen und sozialen Zwängen, für die eine kollektive Zustimmung erforderlich wird. Hier bildet sich ein Dilemma heraus, denn in vielen Fällen sind die Folgen der Handlungen zunächst nicht übersehbar und insofern auch nicht beurteilbar.

In solchen Fällen ist der in diesem Sinne Handelnde auch der Verantwortliche, denn er kann die Folgen am besten abschätzen. Man erinnere sich an die politi­sche Verantwortung der Atom-Physiker am Ende des zweiten Weltkrieges und die Folgen ihres politischen Versagens. Anders gesehen, hat die Erfindung der Atom­bombe einen Großkrieg um die Weltherrschaft verhindert, sodass man über die Folgeschäden sehr geteilter Meinung sein kann. Das Beispiel ist ein Vorgang mit bis jetzt gutem Ausgang, das in uns bevorstehenden anders gelagerten Risikofällen durchaus katastrophenträchtig werden kann.

In der heutigen Situation, wo deutlich wird wie sehr Einzelentscheidungen das kol­lektive Wohl in Frage stellen, ist es erforderlich über Freiheit neu nachzudenken und ihre Grenzen neu abzustecken. Im Bereich der Forschung und einem Wirtschaftssy­stem unter weltweitem Konkurrenzdruck wie das im heutigen Wirtschaftssystem der Fall ist, aber auch im politisch-sozialen Geschehen, werden die Risikofälle zum AII­tagsgeschehen und haben die menschliche Gesamtheit in eine Risikogesellschaft verwandelt. Als besonders riskante Bereiche des gesellschaftlichen Lebens können gelten:

  • Die atomare Rüstung nichtdemokratischer Staaten
  • Gentechnologische und chemische Freisetzungen von nicht Langzeit erprobten Neuschöpfungen
  • Industrielles- und wohlstandsorientiertes Wachstum im Hinblick auf klimatische Auf­heizungen der Erdatmosphäre und Ressourcenerschöpfung
  • Wirtschaftssysteme mit übermäßiger bzw. einseitiger Industrie und einer Hochlohn­politik, die in ihrer Region die Bodenhaftung (Agrarbestandteil) weitgehend verlo­ren haben und dadurch eine hohe Anfälligkeit für Arbeitslosigkeit bilden
  • Multikulturelle Gesellschaftssysteme in Staaten mit einer gewachsenen und identitätsbewussten Stammbevölkerung
  • Stark individualisierte Gesellschaftssysteme, deren Geburtenrückgang aus Wohl­standserwägung zum völkischen Überlebensproblem wird
  • Der allgemeine Souveränitätsverlust, um regionalen Gefahren begegnen zu kön­nen
  • Der Wertverlust für die Einschätzung menschlichen Seins in seiner transzendenten Bedeutung und Sinngebung

All diese Risiken sind aus einer Freiheitsvorstellung entstanden, die den einzelnen begünstigt und die Gesellschaft belastet. Damit sind die Gefahren globalisiert worden und haben eine kaum zu bändigende Dynamik erfahren. Man muss kein Prophet sein, um einer Weltgesellschaft, die diese Prinzipien nicht ändert, ihren Ka­tastrophengang vorherzusagen.

In welchem Sinne kann eine handlungsfähige Gemeinschaft in dieser Problematik wirksam werden? Es zeigt sich mit großer Deutlichkeit, dass die Freiheit zur Entscheidung zwar dem einzelnen zugestanden wird, aber in Gemeinschaft und Gesellschaft immer stärker blockiert ist. Viel weniger als bei dem einzelnen ist Einsicht bei der Gesellschaft vorhanden und es bestehen institutionelle und ideologische Schranken, die Änderungen fast unmöglich machen. Hier ist der politische Ansatzpunkt für eine neue Ideengemeinschaft. Indem sie folgende Punkte besonders aufgreift und herausstellt:

Die Freiheit des einzelnen endet nicht nur da, wo dem anderen kein Schaden zu­gefügt wird, sondern auch dort, wo eigene Wünsche auf Kosten der Gemeinschaft resp. Gesellschaft erfüllt werden sollen.

Freiheit heißt nicht, dass der einzelne machen kann was er will, sondern heute kann Freiheit des Handeins nur dem zugebilligt werden, der die volle Verantwortung für sein Tun übernimmt. Ja, sogar darüber hinaus muss Freiheit verstanden werden, als Freiheit zur Verantwortung, weil das Tragen von Verantwortung letztsinnig nicht befohlen, sondern nur freiwillig übernommen werden kann. Das erforderliche Ver­antwortungsbewusstsein ist nicht eine Frage gesetzlicher Bindung, sondern selbst­verordneter Bestimmung. Wie sonst könnte ein Spitzenforscher in der Gentechno­logie seine Arbeit verantworten, wenn er sich nicht selbst in die Pflicht nähme und die Folgen, die ihm am besten bewusst sind, bei seiner Tätigkeit nicht mit berücksichtigen würde.

In ähnlicher Sichtweise sind die Handlungen von Frauen zu beurteilen, die ein ge­sundes Kind abtreiben und es der eigenen gesellschaftlichen Zukunft entziehen, obwohl die Gesellschaft seiner bedarf. Oder von Frauen und Männern, die eine fremdkulturelle Partnerschaft eingehen und die Kinder dieser Verbindung als Gleichberechtigte ihrer eigenen Stammesgesellschaft aufnötigen, an deren Fol­gen die Gesellschaft in zunehmendem Maße entartet.

Unter den derzeitigen ökologischen Zwängen verlangt Freiheit, auch wirtschaftli­che Freiheit, eine regional-kollektive Zustimmung, ohne die ein gemeinschaftlicher Schaden nicht zu vermeiden ist. Der Freiheitsrahmen wird zunehmend von den so­zialen Grenzen des Wachstums gesetzt. Autofahren wird z. Bspl. zur Plage wenn alle autofahren und ein Urlaubsgebiet wirkt belastet, wenn alle dort Urlaub machen. In der Massengesellschaft müssen den Freiheiten Grenzen gesetzt werden, ohne die ein Chaos nicht zu vermeiden ist.

Ein anderer Gesichtspunkt für Freiheitsbeschränkung ist die personale Mobilität. Es ist unverantwortlich der Zuwanderung in bereits übervölkerte Gebiete keine Gren­ze zu setzen. Dabei ist augenscheinlich, dass die ökologische Zerstörung von Re­gionen verursacht wird durch Wohlstandsstreben in Verbindung mit zu hoher Be­völkerungsdichte. In diesem Falle programmiert die demokratisch-freiheitliche Denkweise, die keine Beschränkung zulässt, regionale Zerstörung. Ballungsgebiete müssen in naher Zukunft auf Zuzugsbeschränkung übergehen, um ihre Infrastruktur zu erhalten und zu retten, oder eine chaotische Faustrechtsmentalität akzeptieren.

Unsere gegenwärtige Demokratietheorie, in der Form von Freiheit ohne Selbstbe­sinnung und Gleichheit ohne Differenzierung neigt sich ihrem Ende zu und es er­scheint erforderlich ihre seitherigen Grundlagen neu zu überdenken. Das zeichnet sich immer deutlicher in den Berichten und Feststellungen der, mit den Problemen befassten, Wissenschaftler, Politiker, Ökonomen und Ökologen ab und erscheint als unterschwellige, unbewusste Angst in der Bevölkerung. Es geht allmählich nicht mehr darum mehr äußere Freiheiten zuzulassen, vielmehr darum äußere Freiheiten sinnvoll zu beschränken.

Ein gegensätzliches Problem ist die Freiheitsbeschränkung des einzelnen durch ei­ne ausufernde Bürokratie. Man hält eine Gesellschaft im Sinne von Arbeitsteilung für fortschrittlich entwickelt, wenn sie weitgehend institutionalisiert ist. In der verstie­genen Institutionalisierungswut der Parteien hat sich eine Blockade-Bürokratie entwickelt, die sich oft gegenseitig behindert und widerspricht und immer zwin­gender zur Entscheidungsohnmacht führt. Da erscheint eine Bereinigung auf das sachlich Notwendige unumgänglich.

Die wirtschaftliche Freiheit eines total offenen Marktes und einer Gewinn maximie­renden Unternehmensführung zwingt in den zivilisierten Hochlohnländern durch den Konkurrenzdruck zu einem Ausverkauf ihrer Ressourcen an spezialisierten Technologien, Fachkräften, Ideen und Finanzkapitalien, sowie zu einer übermäßi­gen Ausbeutung der Arbeitskräfte und Bodenschätze. Dem kann auch Gewerk­schaft und sozialistischer Gemeinsinn nicht Einhalt gebieten, ohne den Konkurrenz­vorteil zu beseitigen. In diesem Zusammenhang gerät die ökonomische Freiheit in einen politischen Zwang, für den bis jetzt von keiner Partei auch nur andeutungs­weise eine Lösung vorgestellt wird. Wirtschaftliche Freiheit ist wahrscheinlich nur noch im Rahmen übergeordneter Gesichtspunkte, wie ökologischer Unbedenk­lichkeit und Rücksichtnahme, völkererhaltender Bevölkerungsstrategien, kulturge­botener Erhaltung von Gemeinschaftswerten und -Normen möglich. Ohne ein Be­kenntnis und eine Strategie zu dem was erhalten werden soll, wird Freiheit zu ei­nem Vernichtungsinstrument der gesamten Kultur. In letzter Zeit zeigen sich deutli­che Bestrebungen ab, dass sich ganze Zivilisationen (USA - Kanada - Mexiko; Osta­sien; GUS-Staaten) wirtschaftlich abgrenzen, um ihre eigene wirtschaftliche Auto­nomie erhalten zu können, ohne die sozialer Unfrieden nicht zu vermeiden wäre.

Der schrankenlose freiheitliche Individualismus des Westens wird zu dessen Untergang mit derselben Folgerichtigkeit wie der radikale Sozialismus, in der Form des Kommunismus, im Osten. Beides sind Extreme, denen keine Zukunft gehört. Sie sind das Ergebnis von Versuch und Irrtum auf der gesellschaftlichen Ebene und verlan­gen nach neuen Ideen von grundsätzlicher Bedeutung.

Es ist eine bekannte Tatsache, dass in der menschlichen Entwicklung immer wieder negative Auswüchse und Übertreibungen aufgetreten sind, die die menschliche Zukunft bedroht haben. Mit dem Streben nach und dem Durchsetzen von Freiheit ist es nicht anders.

Gemeinschaft, ein gesellschaftlicher Wert.

Im Gegensatz zu den Staaten der »Neuen Welt«, also USA, Kanada, Mexiko und La­teinamerika, besitzt Europa eine über Jahrhunderte gewachsene einheimische Stammbevölkerung, die in ihren jeweiligen Territorien ein eigenes Kulturbewusstsein, spezifische Wirtschaftsformen und unterscheidbare menschliche Zusammengehö­rigkeiten entwickelt haben.

Die in Europa so gefürchteten Bruderkriege der letzten zwei Jahrhunderte sind auf nationale Überheblichkeiten, Völkerneid, wirtschaftlichen Imperialismus und Machtentfesselung durch Größenwahn zurückzuführen. Diese Erkenntnis hat dazu verleitet jeglichen Nationalismus als Anstifter solcher Eskalationen zu sehen und zu ächten. Man ist bemüht durch eine demokratisch-gleichheitliche Ordnung jegliche Unterschiedlichkeit zu tilgen und durch gegenseitige Durchdringung auf wirtschaftlichem wie auf menschlichem Gebiet die völkischen Besonderheiten zu beseitigen. Dazu soll eine multikulturelle Gesellschaft als Fernziel den Frieden Gleicher unter Gleichen garantieren.

Dem ist entgegenzuhalten, dass eine multikulturelle Gesellschaft auch stets eine potentielle Bürgerkriegsgesellschaft darstellt, denn Unähnliches in einer Gesell­schaft auf engem Raum zusammen gezwungen, führt zu Spannungen, diese zu Konflikten und schließlich zu hegemonialen Gewaltakten. Eine Entladung, der über längere Zeit unfreiwillig geduldeten Zumutungen, setzt dann ein, wenn wirtschaftli­che Schwierigkeiten zu Arbeitslosigkeit in größerem Umfang führt bzw. politische Bevormundungen nicht mehr zu vermeiden sind.

Die gewachsenen Gemeinschaften Europas basieren auf ethnischen Ähnlichkei­ten, die die Grundlage eines gleichartigen Kulturbewusstseins abgeben und zu Ein- ­und Ausgrenzungen von Gruppen anderer Werthierarchien führen. Die Zusammen­fassung Gleichartiger in ethnischem, kulturellem und wertanalogem Sinn sind die Völker. Seit geraumer Zeit ist feststellbar, dass das Wort »Volk« immer mehr aus dem allgemeinen Sprachgebrauch heraus- eskamotiert wird und so zu einer geistigen Verstellung gegebener Zustände führt. Die völkischen naturrechtlichen Forderun­gen nach einem eigenen Staat und der Verwirklichung eigener Wert- und Ord­nungsvorstellungen darin, sind den gegenwärtig Herrschenden in ihren radikalde­mokratischen Absichten eine reichlich unangenehme Vorstellung. Dennoch lassen sich völkische Grundwerte nicht eliminieren, besonders dann nicht, wenn sie sich über lange Zeit und wechselvolle Geschichtsperioden erhalten haben.

Prof. Dr. H. Schröcke definiert in seinem Artikel: »Volk, Völker, Deutsches Volk« den Begriff »Volk« wie folgt:

»Völker sind lebende Systeme höherer Ordnung mit voneinander verschiedenen Systemeigenschaften körperlicher wie nichtkörperlicher Art, die genetisch und durch Traditionen weitergegeben werden. Völker sind Produkte der Evolution.«

Oder allgemeinverständlich:

»Völker sind Abstammungs- und Vererbungsgemeinschaften mit eigener Sprache, eigener Kultur und eigenem Selbstverständnis (Identität)«

Da Populationen bzw. Völker notwendige Vorraussetzungen zur Bildung neuer Ar­ten sind, entspricht eine Einebnung völkischer Unterschiede einer Evolutions­blockade mit zerstörenden Folgen. Die Evolution des Menschen, die heute als ku­lturelle Evolution zu verstehen ist, verlangt eine Kultivierung des Menschen im gei­stigen Sinn, die sich immer stärker als »Postmoderne« gegenüber der allmählich un­zeitgemäßen »Moderne« durchzusetzen beginnt.

Im Zuge der »Moderne« stehen noch die basisdemokratischen Forderungen nach Gleichheit und Freiheit, nach Friedenssicherung durch Entnationalisierung und völkischer Vermischung. Gerade bei den Völkern, die sich aus der kommunistischen Herrschaft befreit haben, ist ein gründliches Misstrauen gegenüber dem »westlichen Demokratismus« festzustellen und eine verstärkte Sammlung unter ethnischen, religiösen und kulturverbundenen Werten. Die Befreiungs- und Stam­meskriege in Russland und Jugoslawien lassen mit krasser Deutlichkeit die Kollision zwischen Völker- und Menschenrecht erkennen, für die die westliche Welt noch kein »Rezept« gefunden hat. Das heutige Völkerrecht ist nicht zu verstehen als ein Recht der Völker, sondern als ein Konventionsrecht zwischen den Staaten, in dem das Volk an sich nicht Rechtssubjekt ist. Im übertragenden Sinn erscheint es erforderlich auf die grundsätzlich gemeinschaftliche Formel zurückzugreifen:

»Ordnung heißt Einteilung«

Die Behauptung: »Alle Menschen sind Brüder« ist ein katastrophaler Irrtum, denn das Reich des Menschen enthält im biologischen Sinn wie das Reich der Tiere viele Arten besitzt, sehr viele unterschiedliche Menschenarten. Alle wollen in ihrem Sinne leben und nicht von Außenstehenden ihrer Art entfremdet werden. So ergibt sich eine vernünftige Regelung nur dadurch, dass jedem Volk ein eigenes Territorium zugestanden wird, in dem es einen Staat nach seinen Vorstellungen einrichtet und seine Evolution und Kultivierung nach seinen Maßstäben betreibt.

Der Besitz eines eigenen Territoriums verbindet dann gleichzeitig die Forderung nach einer Bevölkerungspolitik, die ihre Bevölkerungsdichte nach ökologisch ver­antwortbaren Gesichtspunkten steuert und weder Zuzug noch Abwanderung in tolerierbarem Maße zulässt. Damit wird gleichzeitig einer weltweiten Übervölkerung gegengesteuert, weil jedes Volk auf seinem Territorium sich selbst kontrollieren muss.

In gesellschaftlicher Perspektive befinden wir uns im Übergang von der Industrie­gesellschaft in die Risikogesellschaft und sind zunehmend unfähig die immer riskan­teren Technologien und Politiken noch zu steuern. Die aufkommenden Probleme lassen nur zwei Alternativen zu: den Umbau in eine Kultivierungsgesellschaft oder in eine Anarchogesellschaft. Letztere endet in einer Faustrechtsgesellschaft und bedeutet den völligen Untergang unserer Zivilisation.

Eine Kultivierungsgesellschaft, ein Volk auf eigenem Territorium, ist genötigt von Wachstumsvorstellungen im heutigen Sinn abzurücken und mit seinen territorialen Möglichkeiten sich zu arrangieren. Das heißt nicht, dass ein Außenhandel unter­bleiben müsse, sondern lediglich, dass die gegebenen Möglichkeiten in vertretbarer Weise genutzt und nach Gesichtspunkten der Vorsorge und einer Dauerexistenz gestaltet werden müssten. Für diesen Fall ergibt sich eine straffere ökologische Aus­richtung der Wirtschaft und des Gewerbes fast von selbst.

Im Sinne von ökologischem Bewusstsein, also von Umweltbewusstsein auf der menschlichen Ebene, müssen völkische Ganzheiten gesehen werden. Ihre geneti­schen Strukturen und existenzielles Überleben sind empfindliche Sachlagen, die sowohl kultureller Pflege als auch gesetzlicher Hege bedürfen. In diesem Bereich ist seit dem zweiten Weltkrieg ein Vakuum entstanden, das mit Beliebigkeiten und unvernünftigen Freiheiten zu zerstörenden Schädigungen geführt hat. Eine Welt­macht und ein völkischer Schmelztiegel wie die USA kann der Problematik von Völkerbewusstsein nicht gerecht werden und beginnt erst allmählich sich der Fol­gen von Einwanderungs-Beliebigkeit bewusst zu werden. Da sie das Ordnungsge­füge von Europa und besonders von Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg mitbestimmt haben und das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland we­sentlich mit veranlasst haben, ist das Grundgesetz in seinen menschenrechtlichen Artikeln ein Individualgesetz, das völkisches Gemeinschaftsrecht völlig ausschließt und in Fragen gemeinschaftlicher Ziele zu großen Schwierigkeiten führt.

Die nach wie vor im Unterbewusstsein des deutschen Volkes existierende Verant­wortung für völkische Gemeinschaft und selbstbestimmende kulturelle Autonomie, beurteilt alle Maßnahmen einer multikulturellen Überfremdung als Einmischung in ihr völkisches Naturrecht. Alle Parteien, die diesen Vorstellungen huldigen, werden von dem wertvollen Kern des Volkes abgelehnt und können auf einen dauerhaf­ten Wahlerfolg nicht vertrauen. In Erkenntnis der Sach- und Wahlgemütslage des deutschen Volkes, sind sie an einem Austausch des Wahlvolkes durch volksfremde Einwohner interessiert und betreiben die Umvolkung mit allem erdenklichen Nach­druck. Diese Machenschaften drohen für uns Deutsche zu einer zweiten Vertrei­bung zu werden, der wir uns in Verantwortung vor unseren Kindern und Kindeskin­dern mit aller Konsequenz entgegenstellen müssen.

Wir erleben eine ständige Diskriminierung alles Deutschen in Deutschland, sowohl von Seiten der Parteien, als auch von den Medien und es muss nicht wundern, wenn die Jugend sich von dieser dekadenten Gesinnung abwendet. Nach zwei Nachkriegsgenerationen deutschfeindlicher Gesinnung, ist der Jugend die frem­dendienernde und schuldkomplexbeladene Haltung von Regierung, Parteien und Medien in Deutschland zuwider und in höchstem Maße verdächtig, sodass ein all mähliches Umdenken und Reagieren bei ihr Platz greift. Zumal eine Mitschuld der anderen Kriegsteilnehmer an begangenem Unrecht und ethnischer Vertreibung nicht bestritten werden kann. Einem wie auch immer gearteten erneuten Verge­hen am deutschen Volke werden sie sich nicht ohne Widerstand beugen.

Der Hitlerismus war gekennzeichnet von einer beispiellosen völkischen Überheb­lichkeit seiner Anhänger, einer rücksichtslosen Rechtsverletzung gegenüber Völ­kern anderer Artung und verbunden mit einer sehr schmerzlichen Zurechtweisung und Rechtserneuerung auf demokratischer Grundlage für die Deutschen. Trotz­dem steht das Überlebensrecht des deutschen Volkes, auch international, außer Frage und muss von den eigenen Verantwortlichen mit entschieden mehr Enga­gement verteidigt werden.

In diesem Sinne eröffnet sich einer handlungsbereiten neuen politischen Gemeinschaft ein dankbares Wirkungsfeld, das in seiner Wirkungsträchtigkeit nicht hoch genug veranschlagt werden kann.

Eine solche Gemeinschaft wird sich vor allem an die Personen wenden, deren Lebens­maxime durch die Vorstellungen der üblichen Parteien keine ideelle Befriedigung mehr erfahren, von deren Politik sich keine Gemeinschafts-vorstellung ableiten lässt und von deren wirtschaftlichen Zielvorstellungen der Ausverkauf unserer Lebens­grundlagen in Deutschland und Europa nicht verhindert wird. Sie müssen zur Teilnahme aufrufen, um in letzter Stunde die Weichen zu stellen für ein Leben in angemessener Freiheit, fruchtbarer Zusammenarbeit und lebenswerter Zukunft.

Wilhelm Kirschner (M.A.)